Internationaler Projekttag der
Solidarität in Konz am 26. April 2004
Grußworte
Anton Viktor Wyrobisch, Landeskoordinator der UNESCO-Projektschulen in Rheinland-Pfalz:
Sehr geehrter Herr Landrat Dr. Groß,
sehr geehrter Herr Bürgermeister Manns,
sehr geehrte Gäste aus Polen, Luxemburg, Lothringen und dem Saarland,
liebe Schülerinnen und Schüler der UNESCO-Projektschulen von Rheinland-Pfalz,
aus Betzdorf, Dierdorf, Oberwesel, Boppard, Speyer, Herxheim, Landau, Mayen und Trier,
Liebe Schülerinnen und Schüler aus Konz,
Bürgerinnen und Bürger von Konz
verehrte Gäste,
hier in Konz an der Mündung der Saar in die Mosel führt uns heute ein Ereignis zusammen, das 18 Jahre zurückliegt. Am 26. April 1986 ist durch einen Bedienungsfehler im Atomkraftwerk Tschernobyl in der Ukraine ein verhängnisvolles Unglück ausgelöst worden. das unzähligen Menschen Leid, Krankheiten und Tod brachte: Tschernobyl ist zum Mahnmal und zum Denkmal geworden. Tschernobyl hat die Menschheit eine wichtige Erkenntnis gelehrt: Wenn Menschen alles machen, was sie können, dann kommt die Menschheit an einen Punkt, wo sie nichts mehr kann, weil sie alles kaputtgemacht hat. Dann wird die Erde „wüst“ und „leer“.
Dieser bitteren Wahrheit, 50 km von Cattenom entfernt, wollen wir uns stellen und hier an den beiden Flüssen, die einzigartige , schöne und alte Kulturlandschaften verbinden, nämlich Lothringen, Luxemburg, Saarland und Rheinland-Pfalz, wollen wir zum Ausdruck bringen, dass viele der drängendsten Probleme weltweit etwas mit Wasser zu tun haben: - Wassermangel, Wasserverschmutzung, Meerserwärmung, Hochwasser, Flutkatastrophen, Wasserkrankheiten, Trinkwasserversorgung sind Beispiele dafür.
Das Motto unserer Kundgebung ist für alle sichtbar an der Balustrade des Konzer Rathauses in vier Sprachen angebracht: „Wasser blaues Gold Lebensquell, Waasser blo Gold d’Quell vum Liewen L’eau l’or bleu source de vie und polnisch woda błękitne złoto źródło życia“.
Schon der griechische Philosoph und Mathematiker Thales von Milet hielt das Wasser für das Element, aus dem alle Körper entstanden sind. Für ihn war es das „Prinzip aller Dinge, aus dem alles ist und zu dem alles zurückkehrt“. Heute wissen wir, dass Wasser kein Element ist, sondern chemisch gesprochen „nur“ eine Verbindung aus zwei Wasserstoffatomen und einem Sauerstoffatom. Sie bilden das Wassermolekül H2O. Drei Viertel der Erdoberfläche sind von Wasser bedeckt, doch nur weniger als ein Prozent davon kann als Trinkwasser genutzt werden. Ohne Wasser wäre kein Leben auf unserem Planeten möglich, und wir Menschen, die wie aus zwei Drittel Wasser bestehen, könnten ohne dieses kostbare Nass maximal drei bis vier Tage überleben.
Mit unserem gewählten Motto wollen wir, die Vertreterinnen und Vertreter UNESCO-Projektschulen von Rheinland-Pfalz, ins Bewusstsein rücken und unterstreichen, dass Wasser so wertvoll wie Gold ist. Wir wollen aber auch nicht vergessen, dass unzählige Menschen auf unserer Erde in menschenunwürdigen Bedingungen leben müssen. Sie sind krank, weil sie kein sauberes Wasser trinken können, viele haben nicht genügend Wasser. Der heutige Tag will deshalb auch ein Zeichen der Hoffnung und der Solidarität setzen mit Menschen in weiten Teilen der Welt, in denen das Wasser ein knapper Rohstoff ist. Im Nordosten Brasiliens bitten viele Millionen Menschen im Vaterunser nicht um Brot, sondern „Unser tägliches Wasser gib uns heute“ und bringen damit ihre existentielle Not zum Ausdruck
In Casa Nova in Brasilen werden 10.000 Zisternen für die dort lebenden Menschen benötigt. Die UNESCO-Projektschulen in Rheinland-Pfalz wollen ein Zeichen der Solidarität setzen und bis zum Ende des Schuljahres in verschiedenen Aktionen, z. B. durch den Verkauf von Baseballmützen, Spendengelder für den Bau von Zisternen in Casa Nova zu sammeln, um Familien finanziell zu unterstützen.
An dieser Stelle möchte ich Herrn Thomas Rühle, Geschäftsführer vom Unternehmen Aventis Pasteur, ganz herzlich danken, die Schirmherrschaft und Förderung unserer Kundgebung übernommen zu haben. Leider kann Herr Rühle wegen eines Termins in Paris heute nicht unter uns sein. Auch der Exekutivdirektor des UN-Umweltprogramms Klaus Töpfer bedauert es, dass er nicht an unserer Kundgebung teilnehmen kann.
An dieser Stelle möchte ich mich auch ganz herzlich bei der Verbandsgemeinde Konz, bei Herrn Bürgermeister Manns und Herrn Schwebach, bedanken, dass wir heute hier auf dem Rathausplatz sein können und die Erlaubnis erhalten haben, das Rathausgebäude mit den „Wasserbotschaften“ der UNESCO-Projektschulen fast in „Christomanier“ zu verhüllen.
Ich wünsche uns, dass der heutige Tag zu einem Zeitzeitchen der Hoffnung für eine lebenswerte Welt werden möge. Er soll kein Abschluss von Projektarbeiten sein, er soll Auftakt, Anstoß und Ansporn sein, unserer guten Erde ein menschliches Gesicht zu geben. Ich wünsche uns allen ein gutes Gelingen unserer Kundgebung und bitte euch alle, die Lieder und Gospels mitzusingen und Pete Allmann und die Sängerinnen und Sänger zu unterstützen. Ich danke für die Aufmerksamkeit!
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Klaus Töpfer, Exekutivdirektor des UN-Umweltprogramms:
6,3 Milliarden Menschen leben gegenwärtig auf unserem wunderbaren blauen Planeten. Als ich ur Schule ging, waren es nur 3 Milliarden. Jährlich kommen 70 75 Millionen hinzu. Alle diese Menschen sind auf das Lebenselixier Wasser angewiesen. Wasser ist eine Grundvorrausetzung für die Landwirtschaft. Wasser ist erforderlich für sanitäre Einrichtungen. Und Wasser ist erforderlich ganz unmittelbar für den Menschen selbst.
Aber wir wissen: die Menge des verfügbaren Süßwassers ist nicht vermehrbar. Immer mehr Menschen kommen damit in die große Gefahr, keinen hinreichenden Zugang zu Süßwasser zu haben. Rund 1,2 Milliarden Menschen sind es bereits, die unter den Konsequenzen von Wassermangel zu leiden haben. Täglich sterben bis zu 6000 Menschen, vornehmlich Kinder, an Wasserbezogenen Krankheiten. 2,4 Milliarden Menschen haben keinen Zugang zu sanitären Einrichtungen.
Mehr denn je ist es deswegen erforderlich, diese Wasserprobleme entschlossen in Angriff zu nehmen. Es gibt keinerlei Grund zur Resignation. Vieles kann erreicht werden mit moderner Technik, um Wasser sparsamer zu nutzen und es immer wieder zu recyceln, d.h. wieder zu reinigen und zu klären.
Nur etwa 10% des genutzten Wassers wird weltweit gegenwärtig in irgendeiner Weise geklärt. Die Wasserkrise ist deswegen insbesondere eine Investitionskrise und eine Krise der Durchsetzung Wassersparenden Techniken. Und die Wasserkrise ist auch eine Bewusstseinskrise. Viele Menschen müssen erst noch das Bewusstsein erlangen, das Wasser viel wertvoller ist als Rohöl, dass sie ihr Verhalten ändern müssen.
Daher finde ich das Engagement der unesco-Schulen für das Lebenselixier Wasser so wichtig und ich begrüße und unterstütze die Initiative von Herzen.
Es ist entscheidend, zu erfahren, dass jeder Einzelne dazu beitragen kann, bereits heute die entscheidenden „Abrüstungsinstrumente“ für die Vermeidung von Wasserkriegen zu schaffen: durch Verständnis und Zusammenarbeit und Rücksichtsmaßnahmen in gemeinsam genutzten Wassereinzugsgebieten, durch den sparsamen Umgang mit Wasser im alltäglichen Leben, durch die Kenntnis um die Verunreinigung von Wasser sowie durch Wasserrecycling und Klärung.
Wasser ist ein wertvolles Gut in jeder der großen Weltreligionen. Mit Wasser ist eine hohe spirituelle, religiöse Bedeutung verbunden. In der Bibel des Christentums genau so wie im Koran des Islam. Dieser Respekt vor dem Wasser hat unsere Vorfahren über Generationen gelehrt und angehalten, respektvoll mit Wasser umzugehen. Die Verbindung des Wassers zu unseren kulturellen, spirituellen Werten sollte erinnert und bedacht werden.
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Thomas Rühle, Geschäftsführer der Aventis Pasteur MSD GmbH:
Liebe Schülerinnen und Schüler,
sehr geehrte Damen und Herren,
als Schirmherr des 5. Projekttages der rheinland-pfälzischen unesco-Projektschulen begrüße ich sie recht herzlich hier auf dem Konzer Rathausplatz.
Lassen sie mich zu Beginn einen Satz abwandeln, den der Eine oder Andere von ihnen bestimmt schon mal in verschiedenen Zusammenhängen gehört hat:
Wasser ist nicht alles aber alles ist nichts ohne Wasser.
Und genau darum geht es: Wasser ist für das Leben unabdingbar. Wir Menschen in Europa können uns nicht mehr vorstellen, was es heißt ohne Wasser zu sein. Wasser, das hier bei uns eine sehr hohe Qualität besitzt.
Ohne Wasser in den Tag zu starten: für uns alle die wir hier versammelt sind undenkbar. Wir gehen morgens ins Bad, drehen einfach den Wasserhahn auf und putzen uns die Zähne. Danach eine Dusche, und der Tag kann beginnen.
Wenn wir Durst haben, trinken wir Wasser aus der Flasche. Wir stehen sogar vor der Wahl: Nehme ich stilles Wasser, oder doch ein Wasser mit wenig Kohlensäure, vielleicht ein Wasser mit viel Kohlensäure?
Wir denken gar nicht darüber nach welchen Wert Wasser hat, uns am Leben zu halten. Es ist einfach verfügbar; wir kennen es nicht anders.
Anders ist es in den meisten Ländern der Dritten Welt. Hier kennt an die Not, wenn Wasser nicht selbstverständlich zur Verfügung steht. Hier kennen die Menschen aber auch die Not, wenn es zwar Wasser gibt, aber dieses für den Gebrauch ungenießbar ist. Den Menschen in diesen Gebieten muss geholfen werden … und wir können helfen.
An dieser Stelle sei mir als Geschäftsführers eines Impfstoffunternehmens der Vergleich von Wasser und Impfstoffen erlaubt: Wasser erhält das Leben Impfstoffe schützen Leben. Wir müssen mit dafür sorgen, dass es ausreichend Trinkwasser auf der Welt gibt. Wir haben die Möglichkeiten. Wir müssen auf der anderen Seite dafür Sorgen, dass lebensrettende Impfstoffe eingesetzt werden. Auch hierzu haben wir die Möglichkeiten.
Wie wir dies erreichen können zeigt ihr Engagement, was wenn ich in die Runde blicke mir sehr deutlich wird.
Verantwortung für Menschen in dieser Welt trägt jeder einzelne, oder niemand. Wir dürfen uns nicht in der Masse verstecken, denn die Masse macht anonym.
Wir müssen uns fragen: „was tue ich als Person, als einzelner?“ Jeder gibt heute sich selbst und uns allen darauf eine Antwort. Die Transparente der Schulen, die ich hier sehen kann, enthalten wichtige Botschaften und Antworten.
Menschen, die nicht so leben können wie wir es tun, brauchen engagierte Menschen sie brauchen Sie: Und sie brauchen Ideen und direkte, umsetzbare Hilfe. Wir werden heute einige Beispiele sehen, für die gilt: Den Worten folgen Taten.
Dankeschön für ihre Aufmerksamkeit und ich wünsche allen ein gutes Gelingen.
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